Gerade kleine und mittelständische Unternehmen in ländlichen Regionen haben Schwierigkeiten qualifizierte Mitarbeiter zu finden, auch lassen sich Ausbildungsstellen immer schwerer besetzen. Als Einstieg wurde von Herrn Ganzleben aus der am gerade erschienenen Studie der Bertelsmannstiftung zittiert, die bei 66% der befragten Unternehmen einen Fachkräftemangel feststellt, eine Steigerung von 11% gegenüber dem Vorjahr. Der größte Mangel zeigt sich dabei vor allem bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Neben Bayern sind davon vor allem die östlichen Bundesländer betroffen.

Im ersten Teil des Stammtisches ging es deshalb vor allem um die Frage wie der Nachwuchs für die duale Ausbildung gewonnen werden kann. Bei der Berufswahl spielen dabei neben den klassischen Faktoren wie Gehalt und Erreichbarkeit vor allem auch die Aufstiegs- und Qualifikationsmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Gerade kleine Unternehmen haben es deshalb besonders schwer den passenden Nachwuchs zu finden. Hinzu kommen im ländlichen Bereich schlechte Erreichbarkeit der Arbeitsstelle und der Berufsschule, die es für viele Auszubildenden zusätzlich unattraktiv macht eine Ausbildung in einem KMU in der Region aufzunehmen.

Frau Schubert, Leiterin der Servicestelle der Verbundausbildung beim AVT, berichtete dazu aus den Unternehmensgesprächen, dass gerade kleinere Unternehmen bei der Ausbildung zurückhalten, aus Angst nach Ausbildungsabschluss die frisch ausgebildeten Kräfte an andere Unternehmen zu verlieren, dabei könnte gerade die Kooperation im Bereich der Ausbildung die Attraktivität der Ausbildung steigern. Dies gilt auch für den Bereich der Weiterbildungen, diese werden seitens der KMU’s häufig nur gefördert soweit sie unmittelbar erforderlich sind.

Hierzu wurde von Herrn Behrend, als Vertreter der Meisterausbildung beim AVT angemerkt, dass in diesem Bereich viele mit der Meisterausbildung auch einen Betriebswechsel oder eine Selbstständigkeit im Auge haben, da es in kleineren Unternehmen zu wenig Entwicklungschancen gibt. Dabei könnte garade die qualitative Weiterbildung die Unternehmen in Bezug auf den Wandel der Arbeitswelt besser aufstellen.

Wie schwierig es ist überhaupt Bewerber für Stellenausschreibungen und Ausbildungsplätze zu gewinnen wurde von Herrn Stutzke, Ausbildungsleiter der Stadtwerke Prenzlau GmbH dargestellt. Trotz Angeboten mit der Möglichkeit der Arbeitszeitreduktion, Einstiegsprämie oder eigenem Dienstwagen bleiben Stellenausschreibungen häufig ohne Bewerber. Größere Unternehmen wie die Stadtwerke Prenzlau selbst haben dabei noch die besten Chancen da sie sowohl in der Aus- als auch der Weiterbildung ein übergeordnetes Angebot an Qualifikationen bieten können und so die Attraktivität als Arbeitgeber stärken können.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Verzahnung zwischen Schule und dualer Ausbildung oder dualem Studium verstärkt werden muss. Gerade kleinen Unternehmen fällt es aufgrund der Sicherheitsvorschriften und eingetakteten Arbeitsabläufe schwer Schülerpraktikanten aufzunehmen, ein Berufsorientierungsjahr oder die berufliche Einführung über Bildungsträger könnten hier Abhilfe schaffen.

Angesprochen auf die Frage der Qualifikation ausländischer Arbeitskräfte, wurde vor allem die fehlende sprachliche Kompetenz und der bürokratische Aufwand angesprochen, die Unternehmen daran hindert beispielsweise Geflüchtete stärker als möglche Arbeitnehmer:innen in den Fokus zu nehmen. Final bleibt festzustellen, dass es nach wie vor vielen KMU an einer langfristigen Strategie fehlt eigene Fachkräfte zu qualifizieren, sei es in der Erstausbildung, der Weiterqualifikation oder der Umschulung. Zu häufig wird mehr auf die Abwerbung von Arbeitskräften gesetzt, als auf die Entwicklung eigener Arbeitskräfte und die Schaffung eines Arbeitsklimas, das die Qualifikation und die Identifikation mit dem Unternehmen fördert.

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